FDP wählen?

24. September 2009 - 11:09 Uhr

Der deutliche Widerspruch zwischen Außendarstellung und Realität bei der FDP ist mir gestern in einem Kundengespräch mal wieder vor Augen geführt worden.

Der Kunde hat versucht mit mir über einen Preis von einem Artikel im Tischtennis Shop zu feilschen. Nach einiger Zeit wurde mir das “zu Bunt”. Ich wußte, daß der Kunde Freiberufler ist. Und dann ließ ich den Satz fallen: Ich würde Ihnen gerne einen besseren Preis machen, aber ich habe eine Gebührenordnung und darf Ihnen gar keinen anderen Preis anbieten. Da hatte ich aber etwas gesagt! “Das ist etwas anderes. Wir sind die Stützen der Gesellschaft. Als Händler kann man geschickt günstiger einkaufen, als Freiberufler hat man viele feste Kosten.. usw.” Ach so!

Solche Sätze finden sich auch bei der FDP (Sie seien das „Rückgrat des deutschen Mittelstandes)

Man muß wissen: Der Freiberufler hat einen anderen Status als der Selbständige. Freiberufler sind z.B. Ärzte, Rechtsanwälte, Steuerberater. Für diese Gruppen gibt es jeweils feste Gebührenordnungen, die zwar nach oben offen sind, aber nach unten nicht unterschritten werden dürfen (es droht das Zurückziehen der Zulassung). Damit gibt es für diese Berufsgruppe Mindesteinnahmen.

Und genau das ist die Klientel der FDP. Und genau die FDP, die für jeden Selbstständigen und Arbeitnehmer den absolut freien Markt fordert,  betreibt Besitzstandwahrung für die eigene Klientel.

Warum gilt der Satz “der Markt wird es schon richten” nicht für Steuerberater oder Anwälte? Um dies klar zu sagen, ich habe nichts gegen Mindestentlohnung. Aber dann gleiches Recht für alle. Auf der einen Seite verkünden, daß die Wirtschaft zusammenbricht, wenn man einen Mindestlohn verdienen sollte und auf der anderen Seite der Untergang des Abendlandes bevor stünde, wenn ein Steuerberater sich dem selben (Rabatt-) Wettbewerb stellen müßte wie ein Selbstständiger. Verlogener geht es nicht mehr.

Fairer Weise muß man natürlich sagen, daß der Rest der Politiker auch nichts gegen diese offensichtliche Ungleichbehandlung tut, da der Bundestag fast nur noch aus Anwälten besteht. Und das sind Freiberufler.

Der immer freiere Markt führt zu immer schlechterer Beratung und Service. Es geht nur noch um das rein kaufmännische. Die Fachgeschäfte sind inzwischen aus den Städten verdrängt. Das Motto “Sich die Beratung im Fachgeschäft holen und dann im Großmarkt kaufen”, konnte auf Dauer nicht gut gehen. Daher sind viele der Fachgeschäfte inzwischen verschwunden. Heute gibt es überhaupt keine Mindestpreise mehr. Aber wie soll man da einen Standard halten können?

Daher bin ich als selbstständiger Händler für die Vereinbarung von Mindestpreisen und auch Mindestlöhnen und nicht für die Förderung von “Mc Anwalt”. Wenn man keine Kenngrößen hat, an denen man sich orientieren kann, ist eine dauerhafte Planung (auch für  die Einstellung von Mitarbeitern) viel schwieriger.

Was für Anwälte und Ärzte etc. gilt, gilt auch für die meisten Selbstständigen.

Daher werde ich als Familienvater, Selbstständiger, gar-nicht-so-schlecht Verdiener (kein Neid – nur bezogen auf das, was ich früher hatte) selbstverständlich nicht die FDP wählen!

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eine Kuh macht muh, viele Kühe machen mühe

27. Mai 2008 - 11:51 Uhr

die Milchbauern laufen Sturm gegen das Preisdumping der großen Milchabnehmer und fordern Mindestpreise, um kostendeckend arbeiten zu können.

eine Kuh
Es ist doch ein Irrsinn, daß die Landwirte für ihre Agrarprodukte keinen angemessenen Preis bekommen. Ein Schwein zu mästen oder Milchkühe zu halten, kostet einen bestimmten Betrag. Das hat seinen Preis. Wenn wir nicht bereit sind, diesen Preis zu zahlen, werden wir auf Dauer einen anderen Preis bezahlen, wenn wir schlechte Qualität oder “vergiftete” Lebensmittel auf unserem Teller bzw. im Glas haben.
Das sich das ganze nicht mehr lohnt, kann man an Wachenhausen gut sehen. Als wir vor 25 Jahren dorthin gezogen sind, gab es etliche Bauern, die Milchkühe in ihrem Stall hatten. Davon ist keiner mehr übriggeblieben. Es hat sich nicht mehr gelohnt.
In anderen Dörfern sieht es ähnlich aus. Diese Preispolitik hat bereits einen großen Teil der ländlichen Strukturen zerstört.
Es wird Zeit, daß sich daran etwas ändert. Bauern sollen einen fairen Preis bekommen, mit dem sie in der Lage sind gesunde Lebensmittel zu produzieren.

Von neo liberaler Seite wird immer das Argument des Marktes angeführt. Der Markt werde es regeln. Dies mag in manchen Branchen stimmen, aber in der Landwirtschaft halt nicht.

Damit der FDP und anderen Verfechter des Marktes nicht langweilig wird, sollten sich ein neues Betätigungsfeld suchen.
Steuerberater, Notare und Rechtsanwälte werden immer noch über Gebührenverordnungen bezahlt. Dies sind Mindestpreise bzw. Mindestlöhne.
Es ist doch Interessantl, daß die selben Politiker Mindestpreise für Agrarprodukte und Mindestlöhne für Putzfrauen ablehnen, die größte Lobby für Rechtanwälte, Steuerberater und auch Apotheker sind.

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